
16.03.2026
TRAVEL STORYS
sahin der esel
Die Laune ist so semigut, denn wir sind direkt zum Sonnenaufgang ohne Frühstück aus dem Van gepurzelt und es sind noch nicht alle im hier und jetzt angekommen.
Wir laufen planlos zwischen den Palmenhainen umher und halten die Augen offen nach Wasser. Nicht nach den zu unseren Füßen plätschernden Falajs, sondern nach etwas Größerem: einem Wasserfall und irgendwo hier muss doch noch dieser instagrammy Pool sein?
Statt Pool finden wir ein Gatter und dahinter steht ein Mann und lächelt uns freundlich an. Ich erkenne ihn direkt wieder, Gilli und Albi haben uns bereits Fotos von ihm gezeigt. Von Saleh, dem einsamen Guru.



Wir fragen nach dem Wasserfall, den wir hinter der nächsten Wegbiegung vermuten, und er winkt uns, ihm zu folgen. Statt am Wasserfall landen wir an einer Quelle, die er uns stolz zeigt und uns erklärt, wann er wie welche Terrassen bewässert. Wir sind beeindruckt und er befiehlt uns, ein Foto von der Quelle zu machen. Anschließen sollen wir ihm weiter folgen und wir gehen einen anderen Weg (dieses Mal einen wirklichen Weg) zurück ins Dorf. Es sei komplett verlassen und er ist noch der Einzige, der hier lebt und die Palmen versorgt. Zu umständlich und steil der Weg hier her. Er zeigt auf verschiedene Häuser und sagt zu jedem: My House. Da ist die Küche drin, da ist Lager und das ist auch My House.
Dann zeigt er auf ein rot bemaltes Haus und meinte, als er gestern unseren Camper gesehen hat, hat er uns direkt ein Zimmer fertig gemacht. Wir sind neugierig und lassen uns das Zimmer zeigen. Das Haus besteht aus einem Raum, abgedunkelt durch Fensterläden und wunderschön in blauer Farbe bemalt. Eine Matratze lehnt an der Wand und es gibt einen Fernseher und eine Klimaanlage. Wir sind gerührt von dieser Geste, versichern, das wir aber in unserem Camper am allerbesten schlafen können.
Auf dem Weg zu seinem Esel kommen wir an einem weiteren My House vorbei, aus dem es laut miaut. Wir blicken ihn fragend an und er sagt, da drin lebe seine Katze, die sperrt er als ein, wenn er unterwegs ist, damit sie ihm nicht wegläuft. Besser trifft es den Esel. Er heißt Sahin und man merkt die Wertschätzung und Zuneigung zu diesem wichtigen Arbeitskollegen und Weggefährten. Anders wie andere Esel im der Oman darf Sahin in einem richtigen und sauberen Stall wohnen, es gibt Schatten, Grünfutter und Datteln, Wasser und Streicheleinheiten von seinem Besitzer.
Wir steigen weiter den Berg hinauf, Saleh ist schnell und flink. Er zeigt auf Wege an entfernten Berghängen und erklärt uns, innerhalb von 3,5h wäre er locker bis nach Misfah al Abreeyn auf der anderen Seite der doch sehr hohen Berge gelaufen. Wir sind beeindruckt von ihm und von der Aussicht aufs Dorf.



Auf dem Weg zurück setzt er uns auf einem Hausdach ab und befiehlt uns: here rest. Er fragt uns, ob wir Omani Kaffee oder Tee möchten, wir sind unsicher, denn es ist eigentlich Ramadan, aber er lässt nicht locker und kocht uns eine Kanne Tee und schenkt uns eine Schale voll mit seinen Datteln.



Wir sprechen über das Dorf, das alle wegzogen sind, seine Familie, von der nur noch zwei Schwestern übrig sind. Er besteht darauf, dass, wenn wir wiederkommen, wir mindestens eine Woche bleiben sollen. Wir können uns das Haus aussuchen, er wird uns Frühstück machen, dann sind wir unterwegs und machen Ausflüge und wenn wir zurück kommen, dann kocht er uns Reis. Wiedermal sind wir verblüfft, von so viel Herzensgüte und Offenheit.
Allgemein wirkt er sehr zufrieden, Albi hat ihm eine Guru-artige Ausstrahlung attestiert und dem können wir uns anschließen. Er sagt, er brauche nicht mehr als dieses Leben ihm gibt, seinen Esel, seine Palmen und die Schönheit und Ruhe von diesem wunderschönen kleinen Dorf.
Nur ein Fernglas wäre schön, dann könnte er in der Ferne schauen, ob da Ziegen am Fels ihr Unwesen treiben. Wir schmunzeln, Ziegen scheinen ihm ein Dorn im Auge zu sein.
Als der Tee auf ist, verabschieden wir uns, so langsam ruft der Frühstückshunger. Die Datteln sollen wir samt Schüsselchen mitnehmen, meint er. Wir bedanken uns reichlich und machen uns auf den Rückweg, es gilt immer noch den Pool zu finden und endlich zu frühstücken.
ein paar stunden spaeter
Pool wurde gefunden, Frühstück gemampft und Charly ist auch abfahrbereit. Wir beschließen nochmal zum Dorf zu gehen, zum einen wollen wir uns im Wasserfall noch abkühlen vor der Fahrt, zum anderen möchten wir Saleh seine Schüssel zurück geben. Als wir im Dorf ankommen, ist er nicht da, wir legen Schale und unser Kinderfernglas auf sein Küchenregal und laufen Richtung Wasserfall davon.